Trompe-l’œil - Das getäuschte Auge
Eine Malerei, in der die Täuschung nicht von der Wirklichkeit zu unterscheiden ist, in der das Falsche wirklicher scheint als die Natur; eine Illusion, die täuschend die Wahrheit der Illusion formuliert; ein Bild, das das eigentliche Wesen des Bildes in Frage stellt.
Dieses Thema zieht sich durch die gesamte Geschichte der westlichen Malerei. Das Trompe-l’œil läßt sich so von Anfang an auf zweifache Weise definieren: es ist einerseits die höchste Vollendung einer Technik, eine unübertreffbare Darbietung, die in ihrer Vortrefflichkeit aber zugleich das Verschwinden des Malerhandwerks, jeglichen Markenzeichens oder Zeichen von Individualität bedingt.
Das gefällige und virtuose Doppeldeutige der Trompe-l’œils kommt einem Publikum, das sich auf der Suche nach einer beruhigenden und ermutigenden Bilderwelt befindet, gerade gelegen. Diese Gunstbezeugung ist in gewisser Hinsicht ein Anzeichen für die Verkümmerung und den unmittelbar bevorstehenden Untergang dieser Bildgattung.
Irina Spelleken